Parlamentarischer Abend 2023 Bild

von links: Dr. Marie-Luise Wolff, Dr. Felix Christian Matthes und Prof. Jutta Hanson

| VDE Rhein-Main
05.06.2023 Veranstaltungsrückblick

Parlamentarischer Abend zur Versorgungssicherheit und Energiewende

Vertreter des VDE, Fachexperten und Abgeordnete stellten sich beim sechsten Parlamentarischen Abend der VDE Landesvertretung Hessen in Wiesbaden der Frage: „Versorgungssicherheit und beschleunigte Energietransformation – ein Widerspruch?“ Das von Prof. Dr.-Ing. Jutta Hanson, TU Darmstadt, moderierte Fachgespräch, machte die Hürden und Herausforderungen der Energiewende deutlich.

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Prof. Dr.-Ing. Ingo Jeromin, Vorsitzender der VDE Landesvertretung Hessen, betonte in seiner Einleitung vor rund 40 Gästen, dass die sichere und nachhaltige Stromversorgung die Schlüsselrolle bei der Energiewende spiele. Allerdings fehlten dafür in Deutschland immer noch die Ingenieure. „Natürlich werden wir viel tun müssen, aber wir brauchen auch eine differenzierte Diskussion“, so Dr. Felix Christian Matthes, Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts, beim anschließenden Fachgespräch. Was aber die Versorgungssicherheit angehe „lebe man in Deutschland in einem Paradies.“ Dr. Marie-Luise Wolff, Vorstandsvorsitzende der Entega AG und BDEW-Präsidentin, macht drei Gründe aus, warum die Versorgungssicherheit auch im letzten Winter gewährleistet werden konnte. Erstens habe Europa in der Krise zusammengehalten, zum Beispiel mit mehr Erdgaslieferungen aus Norwegen und Holland. Zweitens könne Deutschland sparen. Und drittens sei es gelungen die befürchtete Gasmangellage durch Kohle und Kernkraft zu ersetzen. Hinzu komme der beschleunigte Bau von Flüssiggas-Terminals.

Verhaltener Optimismus

Auf die Frage, ob die angestrebten Ziele der Bundesregierung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien überhaupt erreicht werden können, äußerten sich die beiden Experten Wolff und Matthes verhalten optimistisch. Sie verwiesen auf den Boom bei Photovoltaik-Anlagen und die im Bundeswirtschaftsministerium beschlossenen Gesetzesänderungen, mit denen neue Windkraftanlagen schneller genehmigt und gebaut werden können. Und nicht zu vergessen: der technische Fortschritt. Durch weiterentwickelte Technologien werden die Produktion, Speicherung und Versorgung von und mit Ökostrom immer effizienter und leistungsfähiger. Damit auch zukünftig noch mehr dezentral erzeugte grüne Energie zuverlässig beim Kunden ankommt, investiere Entega in den nächsten Jahren allein 240 Mio. Euro in die Verteilnetze und in intelligente Ortsnetzstationen für die effiziente Steuerung der Netze. Aber es gebe nach wie vor Akzeptanzprobleme und Widerstände in der Bevölkerung, denen man sich offensiv stellen werde. Der Trend sei aber unumkehrbar: Das Netz werde dichter und die Energieerzeugung dezentraler. Um die Energie- und Klimawende planmäßig bis zum Jahr 2045 zu erreichen, sei deshalb eine schnelle und nachhaltige Planung unerlässlich – und das trotz widerstreitender Interessen.

Angebotsorientierte Planung

Dem stimmte Matthes zu und verwies auf eine große Hürde für den zügigen Netzausbau: die enorm langen Planungszeiten von 10 bis zu 15 Jahren. Infrastrukturvorhaben müssten ja nicht nur so umweltverträglich und raumsparend wie möglich geplant werden, sondern stoßen auch immer wieder auf starre Prozesse in der Verwaltung. Hinzu komme die notwendige Bürgerbeteiligung. Dabei stelle sich zunehmend die Grundsatzfrage, ob man bedarfsorientiert oder angebotsorientiert planen soll. Mit Millionen Ladestationen, E-Autos und Wärmepumpen gerate man schnell in Verzug, weil man die Bedarfsseite kaum noch präzise einschätzen könne.